
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 25
46 Und sie werden weggehen, diese zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben.
(de Civ. Dei, xxi. 19, 20. &c.) So gibt es einige, die die Befreiung von der Strafe nicht allen Menschen verheißen, sondern nur denen, die in der Taufe Christi gewaschen und seines Leibes teilhaftig geworden sind, mögen sie auch gelebt haben, wie sie wollten; wegen dessen, was der Herr spricht: „Wenn jemand von diesem Brot isst, wird er nicht ewig sterben.“ (Joh. 6,51.) Wiederum andere verheißen dies nicht allen, die das Sakrament Christi haben, sondern nur den Katholiken, wie schlecht ihr Leben auch sei, die den Leib Christi gegessen haben, nicht nur im Sakrament, sondern in Wahrheit (insofern sie in der Kirche stehen, die sein Leib ist), selbst wenn sie später in Häresie oder Götzendienst der Heiden gefallen sein sollten. Und wieder andere verheißen wegen des oben Geschriebenen: „Wer bis zum Ende ausharrt, der wird gerettet werden“ (Mt. 24,13.), dies nur denen, die in der katholischen Kirche ausharren, dass sie durch die Würdigkeit ihres Fundamentes, d. h. ihres Glaubens, durch Feuer gerettet werden. All diesen widerspricht der Apostel, wenn er sagt: „Die Werke des Fleisches sind offenbar: Unzucht, Unreinheit und dergleichen; von denen ich euch vorhersage, dass die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht erben werden.“ (Gal. 5,19.) Wer in seinem Herzen zeitliche Dinge Christus vorzieht, für den ist Christus nicht das Fundament, obwohl er den Glauben an Christus zu haben scheint. Wie viel mehr ist der, welcher unerlaubte Dinge begangen hat, überführt, nicht Christus, sondern anderes ihm vorzuziehen? Ich habe auch einige getroffen, die meinten, dass nur die in ewigen Qualen brennen würden, die es versäumten, ihren Sünden entsprechende Almosen zu geben; und aus diesem Grund meinen sie, dass der Richter selbst hier nichts anderes erwähnt, wonach er fragen werde, als das Geben oder Nichtgeben von Almosen. Aber wer würdig für seine Sünden Almosen gibt, beginnt zuerst bei sich selbst; denn es wäre unpassend, dass er sich selbst nicht das täte, was er anderen tut, wenn er die Worte Gottes hört: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt. 22,39.), und ebenso hört: „Sei barmherzig gegen deine Seele, indem du Gott gefällst“? (Sir. 30,24.) Wer also seiner eigenen Seele dieses Almosen, Gott zu gefallen, nicht erweist, wie kann von ihm gesagt werden, dass er seinen Sünden entsprechende Almosen gibt? Warum wir also Almosen geben sollen, ist nur, damit wir, wenn wir um Gnade für vergangene Sünden bitten, erhört werden; nicht, damit wir dadurch die Erlaubnis erkaufen, in der Sünde fortzufahren. Und der Herr warnt uns vor, dass er die Almosen auf die rechte Seite stellen wird und die nicht gegebenen Almosen auf die linke, um uns zu zeigen, wie mächtig Almosen sind, frühere Sünden zu tilgen, nicht aber, um einem Fortfahren in der Sünde Straflosigkeit zu gewähren.