
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 25
1 Dann wird das Himmelreich zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegenzogen. 2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf klug. 3 Die törichten nämlich nahmen zwar ihre Lampen, aber kein Öl mit sich. 4 Die klugen dagegen nahmen zu ihren Lampen auch Öl in Gefäßen mit. 5 Als nun der Bräutigam auf sich warten ließ, nickten alle ein und schliefen. 6 Um Mitternacht aber erscholl der Ruf: Der Bräutigam! Kommt heraus, ihm entgegen! 7 Da standen jene Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von euerem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. 9 Die Klugen aber antworteten: Es könnte für uns und euch nicht reichen. Geht lieber zu den Händlern und kauft euch Öl. 10 Noch während sie zum Einkaufen unterwegs waren, kam der Bräutigam; die bereit waren, gingen mit ihm zur Hochzeit hinein, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die übrigen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber antwortete: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
(ubi sup.) Es wird nicht gesagt, dass sie Öl kauften, und daher müssen wir annehmen, dass all ihre Freude am Lob der Menschen vergangen war, sie in Not und Bedrängnis zurückkehren, um Gott anzuflehen. Aber seine Strenge nach dem Gericht ist so groß, wie seine Barmherzigkeit zuvor unaussprechlich war. Aber er antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht; nach jener Regel nämlich, dass die Kunst Gottes, das heißt seine Weisheit, nicht zulässt, dass die in seine Freude eingehen, die in irgendeiner Sache nach seinen Geboten zu handeln suchten, nicht wie vor Gott, sondern um Menschen zu gefallen.