
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 25
1 Dann wird das Himmelreich zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegenzogen. 2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf klug. 3 Die törichten nämlich nahmen zwar ihre Lampen, aber kein Öl mit sich. 4 Die klugen dagegen nahmen zu ihren Lampen auch Öl in Gefäßen mit. 5 Als nun der Bräutigam auf sich warten ließ, nickten alle ein und schliefen. 6 Um Mitternacht aber erscholl der Ruf: Der Bräutigam! Kommt heraus, ihm entgegen! 7 Da standen jene Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von euerem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. 9 Die Klugen aber antworteten: Es könnte für uns und euch nicht reichen. Geht lieber zu den Händlern und kauft euch Öl. 10 Noch während sie zum Einkaufen unterwegs waren, kam der Bräutigam; die bereit waren, gingen mit ihm zur Hochzeit hinein, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die übrigen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber antwortete: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Die Juden haben eine Überlieferung, dass Christus um Mitternacht kommen wird, ähnlich wie bei jener Heimsuchung Ägyptens, wenn das Paschafest gefeiert wird und der Verderber kommt und der Herr an unseren Wohnungen vorübergeht und die Türpfosten jedes Menschenantlitzes durch das Blut des Lammes geheiligt werden. Daher, so vermute ich, hat sich unter uns jene apostolische Überlieferung erhalten, dass am Osterabend das Volk nicht vor Mitternacht entlassen werden soll, in Erwartung der Ankunft Christi; wenn aber jene Stunde vorüber ist, können sie das Fest in Sicherheit feiern; daher sagt auch der Psalmist: Um Mitternacht stand ich auf, dich zu preisen. (Ps. 119,62.)