
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 25
1 Dann wird das Himmelreich zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegenzogen. 2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf klug. 3 Die törichten nämlich nahmen zwar ihre Lampen, aber kein Öl mit sich. 4 Die klugen dagegen nahmen zu ihren Lampen auch Öl in Gefäßen mit. 5 Als nun der Bräutigam auf sich warten ließ, nickten alle ein und schliefen. 6 Um Mitternacht aber erscholl der Ruf: Der Bräutigam! Kommt heraus, ihm entgegen! 7 Da standen jene Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von euerem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. 9 Die Klugen aber antworteten: Es könnte für uns und euch nicht reichen. Geht lieber zu den Händlern und kauft euch Öl. 10 Noch während sie zum Einkaufen unterwegs waren, kam der Bräutigam; die bereit waren, gingen mit ihm zur Hochzeit hinein, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die übrigen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber antwortete: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Dieses Gleichnis von den zehn törichten und den zehn klugen Jungfrauen deuten einige wörtlich auf Jungfrauen, von denen es nach dem Apostel einige gibt, die sowohl an Leib als auch an Gesinnung Jungfrauen sind (1 Kor 7), andere, die zwar ihren Leib jungfräulich bewahrt, aber die übrigen Werke der Jungfrauen nicht haben oder nur durch die Obhut der Eltern bewahrt wurden, in ihren Herzen aber geheiratet haben. Doch nach dem Vorhergehenden denke ich, dass die Bedeutung eine andere ist und dass das Gleichnis sich nicht nur auf Jungfrauen, sondern auf das ganze Menschengeschlecht bezieht.