
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 24
45 Wer ist also der treue und kluge Knecht, den der Hausherr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen zur rechten Zeit Nahrung zu geben? 46 Wohl dem Knecht, den der Herr bei seinem Kommen so beschäftigt findet. 47 Amen, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen setzen. 48 Wenn er aber ein schlechter Knecht ist und in seinem Herzen spricht: Mein Herr lässt auf sich warten, 49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, mit Betrunkenen isst und trinkt, 50 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt. 51 Und er wird ihn entzwei hauen und ihm seinen Anteil bei den Heuchlern geben. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
(Ep. 199. 1.) Die Gesinnung dieses Knechtes zeigt sich in seinem Verhalten, das von seinem guten Herrn so ausgedrückt wird; seine Tyrannei: „und wird anfangen, seine Mitknechte zu schlagen“, seine Sinnlichkeit: „und zu essen und zu trinken mit den Trunkenen“. Wenn er also sagte: „Mein Herr lässt auf sich warten“, ist nicht anzunehmen, dass er aus Verlangen sprach, den Herrn zu sehen, wie jener, der sagte: „Meine Seele dürstet nach dem lebendigen Gott; wann werde ich kommen?“ (Ps 42,2). Das zeigt, dass er über die Verzögerung betrübt war, da das, was auf ihn zueilte, seinen sehnsüchtigen Wünschen langsam zu kommen schien.