Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 24
45 Wer ist also der treue und kluge Knecht, den der Hausherr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen zur rechten Zeit Nahrung zu geben? 46 Wohl dem Knecht, den der Herr bei seinem Kommen so beschäftigt findet. 47 Amen, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen setzen. 48 Wenn er aber ein schlechter Knecht ist und in seinem Herzen spricht: Mein Herr lässt auf sich warten, 49 und anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, mit Betrunkenen isst und trinkt, 50 dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt. 51 Und er wird ihn entzwei hauen und ihm seinen Anteil bei den Heuchlern geben. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
Oder: Wer im Glauben Fortschritte macht, obwohl er noch nicht vollkommen darin ist, wird gewöhnlich treu genannt, und wer natürliche Schnelligkeit des Verstandes hat, wird klug genannt. Und wer darauf achtet, wird viele treue und in ihrem Glauben eifrige finden, aber nicht zugleich klug; denn Gott hat das Törichte der Welt erwählt (1 Kor 1,27). Andere wiederum wird er sehen, die schnell und klug, aber schwach im Glauben sind; denn die Vereinigung von Glaube und Klugheit in demselben Menschen ist äußerst selten. Speise zur rechten Zeit zu geben erfordert Klugheit im Menschen; die Speise der Bedürftigen nicht wegzunehmen erfordert Treue. Und dazu verpflichtet uns der wörtliche Sinn, dass wir treu sind im Austeilen der Einkünfte der Kirche, dass wir nicht verschlingen, was den Witwen gehört, dass wir der Armen gedenken und dass wir nicht aus dem, was geschrieben steht: „Der Herr hat verordnet, dass die, die das Evangelium verkünden, vom Evangelium leben sollen“ (1 Kor 9,14), Anlass nehmen, mehr als einfache Nahrung und notwendige Kleidung zu suchen oder mehr für uns zu behalten, als wir denen geben, die Mangel leiden. Und dass wir klug sind, um die Fälle derer zu verstehen, die in Not sind, woher sie in diese gekommen sind, welche Erziehung und welche Bedürfnisse jeder hat. Es bedarf großer Klugheit, die Einkünfte der Kirche gerecht zu verteilen. Auch sei der Knecht treu und klug, damit er nicht die geistige und geistliche Speise an die verschwendet, an die er nicht soll, sondern sie so austeilt, wie jeder es nötig hat; dem einen ist jenes Wort förderlicher, das sein Verhalten erbaut und seine Praxis leitet, als das, welches einen Strahl der Wissenschaft verbreitet; anderen aber, die tiefer eindringen können, versäume er nicht, die tieferen Dinge darzulegen, damit er nicht, wenn er ihnen nur Gemeinplätze vorsetzt, von solchen verachtet wird, die von Natur aus schärfere Verstandeskräfte haben oder durch die Disziplin weltlichen Lernens geschärft wurden.