
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 24
23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Messias!, oder: Dort!, so glaubt es nicht. 24 Denn es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder tun, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen. 25 Seht, ich habe es euch vorhergesagt. 26 Wenn man also zu euch sagt: Seht, er ist in der Wüste, so geht nicht hinaus; (und wenn sie sagen:) Seht, er ist in den Gemächern, so glaubt es nicht. 27 Denn wie der Blitz vom Osten ausfährt und bis zum Westen leuchtet, so wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein. 28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.
(Lib. 83 Quæst. q. 79.) Hier warnt der Herr uns, dass sogar böse Menschen einige Wunder tun werden, die die Heiligen nicht tun können, doch sind sie deshalb nicht als höher in den Augen Gottes zu betrachten. Denn die ägyptischen Magier waren Gott nicht wohlgefälliger als das Volk Israel, weil sie tun konnten, was die Israeliten nicht konnten; doch tat Mose durch die Kraft Gottes größere Dinge. Diese Gabe wird nicht allen Heiligen verliehen, damit die Schwachen nicht durch einen höchst verderblichen Irrtum irregeführt werden, indem sie solche Kräfte für höhere Gaben halten als jene Werke der Gerechtigkeit, durch die das ewige Leben erlangt wird. Und obwohl die Magier dieselben Wunder tun wie die Heiligen, geschehen sie doch mit einem anderen Ziel und durch eine andere Autorität; denn die einen tun sie, um die Ehre Gottes zu suchen, die anderen suchen ihre eigene Ehre; diese tun sie durch einen besonderen Bund oder ein Privileg, das den Mächten in ihrem Bereich gewährt wurde, jene durch die öffentliche Ordnung und den Befehl Dessen, dem die ganze Schöpfung unterworfen ist. Denn es ist eines, wenn der Besitzer eines Pferdes gezwungen wird, es einem Soldaten zu übergeben, ein anderes, wenn er es einem Käufer übergibt oder es einem Freund gibt oder leiht; und wie jene bösen Soldaten, die von der kaiserlichen Disziplin verurteilt werden, die kaiserlichen Feldzeichen benutzen, um die Besitzer von Eigentum zu erschrecken und von ihnen zu erpressen, was nicht vom öffentlichen Dienst gefordert wird; so zwingen einige böse Christen durch den Namen Christi oder durch christliche Worte oder Sakramente etwas von den Mächten; doch wenn diese auf Geheiß böser Menschen von ihrem Vorhaben abweichen, weichen sie ab, um Menschen zu täuschen, an deren Irrwegen sie sich freuen. Es gibt also eine Weise, wie Magier, eine andere, wie gute Christen, eine andere, wie böse Christen Wunder wirken; die Magier durch einen privaten Bund, gute Christen durch die öffentliche Gerechtigkeit, böse Christen durch die Zeichen der öffentlichen Gerechtigkeit. 1Und wir sollten uns nicht wundern, wenn wir vernünftigerweise glauben, dass alles, was wir geschehen sehen, durch die Wirkung der niederen Mächte dieser Luft geschieht.