Glossa ordinaria
Catena Aurea · Matthäusevangelium 24
9 Dann werden sie euch der Bedrängnis überliefern und euch töten und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst werden. 10 Dann werden viele zu Fall kommen und einander verraten und einander hassen. 11 Viele falsche Propheten werden auftreten und viele irreführen. 12 Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. 13 Wer aber bis zum Ende durchhält, der wird gerettet. 14 Aber dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt verkündet werden, allen Völkern zum Zeugnis. Und dann wird das Ende kommen.
(non occ.)c. Aber es ist möglich, beide Anwendungen der Stelle beizubehalten, wenn wir nur diese Verbreitung der Evangeliumspredigt in einem doppelten Sinn verstehen. Wenn wir sie von der durch die Predigt hervorgebrachten Frucht und der Gründung einer Kirche von Gläubigen an Christus in jedem Volk verstehen, wie Augustinus (in der oben zitierten Stelle) es auslegt, dann ist es ein Zeichen, das dem Ende der Welt vorausgehen muss und das der Zerstörung Jerusalems nicht vorausging. Wenn wir sie aber vom Ruhm ihrer Predigt verstehen, dann wurde sie vor der Zerstörung Jerusalems vollendet, als die Jünger Christi über die vier Himmelsrichtungen der Erde zerstreut worden waren. Daher sagt Hieronymus (Hieron. in loc.): Ich nehme nicht an, dass irgendein Volk übrig blieb, das den Namen Christi nicht kannte; denn wo nie ein Prediger gewesen war, muss doch durch benachbarte Völker eine gewisse Vorstellung des Glaubens vermittelt worden sein.