
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 21
17 Und er ließ sie stehen, ging aus der Stadt hinaus nach Betanien und übernachtete dort. 18 Als er in der Frühe wieder in die Stadt zurückkehrte, hatte er Hunger. 19 Da sah er einen Feigenbaum am Weg stehen, ging auf ihn zu, fand aber nichts daran als Blätter. Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit sollst du keine Frucht mehr tragen. Und augenblicklich verdorrte der Feigenbaum. 20 Als die Jünger das sahen, wunderten sie sich und fragten: Wie ist der Feigenbaum so rasch verdorrt? 21 Jesus antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, dann werdet ihr nicht nur das mit dem Feigenbaum vollbringen, sondern selbst wenn ihr zu diesem Berg da sagt: Hebe dich weg und stürz dich ins Meer!, so wird es geschehen. 22 Und alles, was ihr voll Glauben im Gebet erbittet, werdet ihr empfangen.
(de Cons. Ev. ii. 68.) Es muss bedacht werden, dass Markus das Staunen der Jünger über das Verdorren des Baumes und die Antwort des Herrn über den Glauben nicht am Tag nach der Verfluchung des Baumes, sondern am dritten Tag danach berichtet; und dass Markus am zweiten Tag die Austreibung der Händler aus dem Tempel erzählt, die er am ersten Tag ausgelassen hatte. Am zweiten Tag also sagt er, dass er am Abend aus der Stadt ging und dass, als sie am Morgen vorbeikamen, die Jünger damals sahen, dass der Feigenbaum verdorrt war. Matthäus aber spricht, als ob all dies am folgenden Tag geschehen wäre. Dies muss so verstanden werden, dass, als Matthäus, nachdem er berichtet hatte, dass der Feigenbaum verdorrt war, sogleich hinzufügt, wobei er alle Ereignisse des zweiten Tages auslässt: Und als die Jünger es sahen, staunten sie, er doch meinte, dass sie an einem anderen Tag staunten. Denn der Baum muss angenommen werden, dass er zu der Zeit verdorrte, als er verflucht wurde, nicht zu der Zeit, als sie ihn sahen. Denn sie sahen ihn nicht verdorren, sondern als er verdorrt war, und dadurch verstanden sie, dass er sogleich auf die Worte des Herrn verdorrt war.