
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 2
21 Da stand er auf, nahm das Kind und seine Mutter und zog in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass Archelaus anstelle seines Vaters über Judäa herrschte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Nachdem er aber im Traum eine Weisung empfangen hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa. 23 Er kam in eine Stadt namens Nazaret und nahm dort Wohnung. So sollte sich das Wort der Propheten erfüllen: Er wird Nazoräer genannt werden.
(De Con. Evan. ii. 10.) Hier könnte man fragen: Wie konnten dann seine Eltern jedes Jahr in der Kindheit Christi nach Jerusalem hinaufziehen, wie Lukas berichtet, wenn die Furcht vor Archelaus sie nun daran hinderte, sich ihm zu nähern? Diese Schwierigkeit ist leicht gelöst. Beim Fest konnten sie in der Menge unbemerkt bleiben und durch baldige Rückkehr, wo sie zu gewöhnlichen Zeiten zu leben fürchteten. So wurden sie weder gottlos durch Vernachlässigung des Festes noch bekannt durch ständigen Aufenthalt in Jerusalem. Oder wir können Lukas, wenn er sagt, sie zogen jedes Jahr hinauf, so verstehen, dass er von einer Zeit spricht, in der sie nichts von Archelaus zu fürchten hatten, der, wie Josephus berichtet, nur neun Jahre regierte. Es gibt noch eine Schwierigkeit im Folgenden: Im Traum gewarnt, wandte er sich in die Gegenden Galiläas. Wenn Joseph fürchtete, nach Judäa zu gehen, weil einer der Söhne des Herodes, Archelaus, dort regierte, wie konnte er nach Galiläa gehen, wo ein anderer seiner Söhne, Herodes, Tetrarch war, wie Lukas erzählt? Als ob die Zeiten, von denen Lukas spricht, Zeiten waren, in denen man für das Kind keine Furcht mehr haben musste, als sogar in Judäa die Dinge so verändert waren, dass Archelaus nicht mehr dort herrschte, sondern Pilatus Statthalter war.