
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 19
16 Es kam ein Mann zu ihm und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen? 17 Er antwortete ihm: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur Einer ist der Gute. Willst du aber das Leben erlangen, so halte die Gebote. 18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst kein falsches Zeugnis ablegen; 19 ehre Vater und Mutter; und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 20 Der junge Mann erwiderte ihm: Das alles habe ich befolgt, was fehlt mir noch? 21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. 22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig davon; denn er hatte viele Güter.
(Ep. 31, 5.) Ich weiß nicht wie, aber in der Liebe zu weltlichem Überfluss ist es eher das, was wir bereits erlangt haben, als das, was wir zu erlangen wünschen, was uns am strengsten fesselt. Denn woher ging dieser junge Mann traurig weg, außer dass er großen Besitz hatte? Es ist eines, Gedanken an weiteren Erwerb beiseitezulegen, und ein anderes, sich dessen zu entledigen, was wir bereits zu eigen gemacht haben; das eine ist nur die Ablehnung dessen, was nicht unser ist, das andere gleicht dem Abschneiden eines unserer eigenen Glieder.