Origenes
Catena Aurea · Matthäusevangelium 18
15 Wenn dein Bruder sündigt, dann geh hin und stelle ihn unter vier Augen zur Rede. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. 16 Hört er aber nicht, dann nimm noch einen oder zwei mit dir; denn jede Sache soll durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werden. 17 Hört er aber nicht auf sie, dann sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er dir wie ein Heide und Zöllner.
Lasst uns gut prüfen, ob dieses Gebot sich auf jede Sünde erstreckt; denn was, wenn jemand eine jener Sünden sündigt, die zum Tode sind, wie widernatürliche Verbrechen, Ehebruch, Mord oder Weichlichkeit, so kann nicht gemeint sein, dass solche privat ermahnt werden sollen und, wenn er dich hört, sogleich zu sagen, du habest ihn gewonnen. Und nicht vielmehr zuerst ihn aus der Kirche auszuschließen, oder erst, wenn er nach Ermahnung vor Zeugen und durch die Kirche hartnäckig bleibt? Ein Mann, der auf die unendliche Barmherzigkeit Christi blickt, wird sagen, dass, da die Worte Christi keinen Unterschied der Sünden machen, es gegen Christi Barmherzigkeit wäre, Seine Worte nur auf kleine Sünden zu beschränken. Ein anderer hingegen, der die Worte sorgfältig bedenkt, wird behaupten, dass sie nicht von jeder Sünde gesprochen sind; denn wer jener großen Sünden schuldig ist, ist kein Bruder, sondern wird Bruder genannt, mit dem wir nach dem Apostel nicht einmal essen sollen. Aber wie die, die dies auf jede Sünde beziehen, den Leichtsinnigen zur Sünde ermutigen; so scheint andererseits der, der lehrt, dass einer, der in kleinen und nicht tödlichen Sünden gesündigt hat, wenn er die Ermahnung der Zeugen und der Kirche verschmäht hat, als Heide und Zöllner zu halten ist, zu große Strenge einzuführen. Denn ob er schließlich verloren geht, können wir nicht entscheiden. Erstens, weil der, dem dreimal sein Fehler gesagt wurde und nicht gehört hat, beim vierten Mal hören könnte; zweitens, weil manchmal ein Mensch nicht nach seinen Taten empfängt, sondern über sein Vergehen hinaus, was ihm in dieser Welt zum Guten dient; schließlich, weil Er nicht sagte: allein, Er sei wie ein Heide, sondern: Er sei dir wie ein Heide. Wer also, wenn er dreimal in einem leichten Vergehen zurechtgewiesen wurde, sich nicht bessert, den sollen wir für einen Heiden und Zöllner halten und ihn meiden, damit er zur Beschämung gebracht werde. Ob er aber auch von Gott als Heide und Zöllner angesehen wird, ist nicht unsere Sache zu entscheiden, sondern liegt im Urteil Gottes.