
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 16
5 Als die Jünger an das andere Ufer kamen, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen. 6 Jesus aber sagte zu ihnen: Gebt Acht und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 7 Sie aber überlegten und sagten: Wir haben kein Brot mitgenommen. 8 Als Jesus das merkte, sagte er: Was macht ihr euch Gedanken darüber, ihr Kleingläubigen, dass ihr kein Brot habt? 9 Versteht ihr noch nicht? Und erinnert ihr euch nicht mehr an die fünf Brote für die fünftausend, und wie viele Körbe ihr aufgesammelt habt? 10 Auch nicht mehr an die sieben Brote für die viertausend, und wie viel Körbe ihr aufgesammelt habt? 11 Wie könnt ihr dann nicht verstehen, dass ich nicht Brot meinte, als ich zu euch sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer? 12 Da verstanden sie, dass er nicht gemeint hatte, sie sollten sich vor dem Brotsauerteig hüten, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.
Denn wer sich vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer hütet, beachtet nicht die Vorschriften des Gesetzes und des Buchstabens und vernachlässigt die Überlieferungen der Menschen, um die Gebote Gottes zu erfüllen. Dies ist der Sauerteig, von dem der Apostel spricht: Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. (1 Kor. 5,6.) Auf jede Weise sollen wir auch jenen Sauerteig meiden, den Marcion, Valentinus und alle Häretiker hatten. Denn die Natur des Sauerteigs ist so, dass, wenn er mit Mehl vermischt wird, das, was wenig schien, zu einer großen Menge anwächst und die ganze Mischung zu seinem eigenen Geschmack bringt. So wird, wenn häretische Lehre nur einen kleinen Funken in deine Brust geworfen hat, in kurzer Zeit eine mächtige Flamme entfacht und treibt die ganze Gemütsart des Menschen mit sich fort.