
Rabanus Maurus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 14
15 Als es Abend geworden war, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Die Gegend ist einsam und es ist schon spät geworden. Entlass also die Scharen, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen. 16 Doch Jesus sagte zu ihnen: Sie brauchen nicht fortzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! 17 Sie antworteten: Wir haben nichts hier als fünf Brote und zwei Fische. 18 Er aber sprach: Bringt sie mir her. 19 Dann ließ er die Scharen sich im Gras lagern, nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach das Segensgebet, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber reichten sie den Volksscharen; 20 und alle aßen und wurden satt. Die übrig gebliebenen Brocken sammelte man auf, zwölf Körbe voll. 21 Die gegessen hatten, waren etwa fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder.
Da die Menge hungrig war, erschafft Er keine neuen Speisen, sondern nimmt, was die Jünger hatten, und dankt. In gleicher Weise predigte Er, als Er im Fleisch kam, nichts anderes als das, was vorhergesagt worden war, sondern zeigte, dass die Schriften des Gesetzes und der Propheten voller Geheimnisse waren. Was die Menge übrig lässt, wird von den Jüngern aufgenommen, weil die geheimeren Mysterien, die von den Ununterrichteten nicht erfasst werden können, nicht vernachlässigt, sondern von den zwölf Aposteln (die durch die zwölf Körbe dargestellt werden) und ihren Nachfolgern eifrig erforscht werden sollen. Denn durch Körbe werden niedere Dienste verrichtet, und Gott hat das Schwache der Welt erwählt, um das Starke zu beschämen. Die fünftausend stehen für die fünf Sinne des Leibes; sie sind die, die in weltlichem Zustand die äußeren Dinge recht zu gebrauchen wissen.