
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 14
13 Als Jesus alles das hörte, zog er sich mit einem Boot an einen einsamen Ort zurück, um allein zu sein. Die Volksscharen aber hörten davon und folgten ihm aus den Städten zu Fuß nach. 14 Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, wurde er von Mitleid ergriffen und heilte ihre Kranken.
Er zog sich nicht aus Furcht vor dem Tod in die Wüste zurück, wie einige meinen, sondern aus Barmherzigkeit gegenüber seinen Feinden, damit sie nicht Mord auf Mord häuften; er verschob seinen Tod bis zum Tag seines Leidens; an welchem Tag das Lamm als Sakrament geschlachtet und die Türpfosten der Gläubigen mit dem Blut besprengt werden sollten. Oder er zog sich zurück, um uns ein Beispiel zu geben, jene Tollkühnheit zu meiden, die Menschen dazu führt, sich freiwillig auszuliefern, weil nicht alle mit gleicher Standhaftigkeit unter Folter ausharren, der sie sich selbst ausgesetzt haben. Aus diesem Grund sagt er an anderer Stelle: Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, flieht in eine andere. Daher sagt der Evangelist nicht „floh“, sondern elegant: zog sich von dort zurück, was zeigt, dass er die Verfolgung eher mied als fürchtete. Oder aus einem anderen Grund könnte er sich beim Hören von Johannes' Tod an einen einsamen Ort zurückgezogen haben, nämlich um den Glauben der Gläubigen zu prüfen.