
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 13
31 Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das einer nahm und auf seinen Acker säte. 32 Das ist zwar das kleinste von allen Samenkörnern; wenn es aber ausgewachsen ist, ist es größer als die Gartengewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
Denn die Dogmen der Philosophen zeigen, wenn sie gewachsen sind, nichts von Leben oder Kraft, sondern wässrig und fade wachsen sie zu Gräsern und anderen Gewächsen, die schnell vertrocknen und verwelken. Die Predigt des Evangeliums aber, obwohl sie in ihrem Anfang klein erscheint, wenn sie in den Geist des Hörers oder auf die Welt gesät wird, wächst nicht als Gartenkraut, sondern als Baum, so dass die Vögel des Himmels (die wir entweder als die Seelen der Gläubigen oder als die von der Knechtschaft befreiten Mächte Gottes annehmen müssen) kommen und in seinen Zweigen wohnen. Die Zweige des Evangelienbaumes, die aus dem Senfkorn gewachsen sind, bedeuten meiner Meinung nach die verschiedenen Dogmen, in denen jeder der Vögel (wie oben erklärt) seine Ruhe findet. Lasst uns also die Flügel der Taube nehmen, damit wir hoch fliegend in den Zweigen dieses Baumes wohnen und uns Nester der Lehren machen und, über irdische Dinge emporsteigend, uns zum Himmlischen eilen. (Ps. 55:6.)