
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 13
24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker gesät hatte. 25 Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. 26 Als aber die Saat aufging und Frucht ansetzte, kam auch das Unkraut zum Vorschein. 27 Da gingen die Knechte zum Hausherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er nur das Unkraut? 28 Er antwortete ihnen: Das hat ein Feind getan. Da fragten ihn die Knechte: Sollen wir gehen und es ausreißen? 29 Er erwiderte: Nein, ihr könntet beim Einsammeln des Unkrauts zugleich auch den Weizen ausreißen. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Ernte da ist, will ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune.
Aber dies scheint dem Gebot zu widersprechen: Schafft den Bösen aus eurer Mitte. (1 Kor 5,13) Denn wenn das Ausreißen verboten ist und wir in Geduld bis zur Erntezeit ausharren sollen, wie sollen wir dann jemanden aus unserer Mitte werfen? Aber zwischen Weizen und Unkraut (das wir auf Lateinisch ‚lolium‘ nennen) besteht, solange es nur im Halm ist, bevor der Halm eine Ähre hervorgebracht hat, eine sehr große Ähnlichkeit, und es gibt keinen oder nur einen geringen Unterschied, an dem man sie unterscheiden könnte. Der Herr warnt uns also, kein voreiliges Urteil über ein zweideutiges Wort zu fällen, sondern es Seinem Urteil vorzubehalten, damit Er, wenn der Tag des Gerichts kommt, aus der Versammlung der Heiligen nicht aufgrund von Verdacht, sondern aufgrund offenkundiger Schuld ausstoße.