
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 12
43 Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, schweift er durch wasserlose Gegenden, sucht einen Ruheplatz und findet ihn nicht. 44 Da sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und kommt er und findet es leer, gefegt und geschmückt, 45 dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die noch schlimmer sind als er, und sie ziehen ein und wohnen darin. Und so wird das Ende jenes Menschen schlimmer sein als sein Anfang. So wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.
Manche nehmen an, dass diese Stelle von Häretikern spricht, weil der unreine Geist, der zuvor in ihnen wohnte, als sie Heiden waren, vor dem Bekenntnis des wahren Glaubens ausgetrieben wird; wenn sie danach zur Häresie übergehen und ihr Haus mit erheuchelten Tugenden schmücken, dann ist es, dass der Teufel, nachdem er sieben andere böse Geister zu sich genommen hat, zurückkehrt und in ihnen wohnt; und ihr letzter Zustand wird schlimmer als der erste. Und tatsächlich sind Häretiker in einem viel schlimmeren Zustand als die Heiden; denn in den Häretikern war eine Hoffnung des Glaubens, in den Heiden ein Krieg der Zwietracht. Doch obwohl diese Auslegung eine gewisse Plausibilität und einen Anschein von Gelehrsamkeit hat, bezweifle ich ihre Wahrheit. Denn durch die Schlussworte hiervon, sei es Gleichnis oder Beispiel, „so wird es diesem bösen Geschlecht ergehen“, sind wir gezwungen, es nicht auf Häretiker oder auf Menschen im Allgemeinen, sondern auf das jüdische Volk zu beziehen. So darf der Zusammenhang der Stelle nicht lose und vage umherschweifen und wie sinnlose Reden sein, sondern muss von Anfang bis Ende mit sich selbst übereinstimmen. Der unreine Geist fuhr also von den Juden aus, als sie das Gesetz empfingen; und aus den Juden vertrieben, wandelte er durch die Wüste der Heiden; wie es folgt: „Er wandelt durch dürre Orte und sucht Ruhe.“