
Rabanus Maurus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 12
9 Nachdem er weitergegangen war, kam er in ihre Synagoge. 10 Da war ein Mann mit einer verdorrten Hand. Sie fragten ihn: Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen? -- damit sie ihn anklagen könnten. 11 Er antwortete: Ist einer unter euch, der sein einziges Schaf, wenn es am Sabbat in eine Grube fällt, nicht ergreifen und herausziehen würde? 12 Wie viel mehr ist ein Mensch wert als ein Schaf! Also ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun. 13 Dann sagte er zu dem Mann: Strecke deine Hand aus! Er streckte sie aus und sie wurde wieder hergestellt, gesund wie die andere.
Anders: Der Mann, der die verdorrte Hand hatte, bezeichnet das Menschengeschlecht, das in der Unfruchtbarkeit guter Werke durch die Hand ausgedörrt war, die nach der Frucht ausgestreckt war (Gen. 3,6); diese wurde geheilt durch das Ausstrecken der unschuldigen Hand am Kreuz. Und mit Recht wird gesagt, dass diese verdorrte Hand in der Synagoge war, denn wo die Gabe der Erkenntnis größer ist, dort ist die größere Gefahr einer unheilbaren Verletzung. Die verdorrte Hand wird, wenn sie geheilt werden soll, zuerst aufgefordert, ausgestreckt zu werden, weil die Schwäche eines unfruchtbaren Geistes durch nichts besser geheilt wird als durch Freigebigkeit im Almosen. Die rechte Hand eines Menschen ist betroffen, wenn er nachlässig im Almosengeben ist, seine linke ist gesund, wenn er auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Aber wenn der Herr kommt, wird die rechte Hand wiederhergestellt, gesund wie die linke, weil er, was er gierig angehäuft hatte, nun freigebig austeilt.