
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 11
7 Als sie gegangen waren, begann Jesus zu den Volksscharen über Johannes zu reden: Wozu seid ihr hinausgegangen in die Wüste? Ein Schilfrohr zu sehen, das im Wind schwankt? 8 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Menschen zu sehen mit feinen Kleidern angetan? Leute, die feine Kleider tragen, sind in den Palästen der Könige. 9 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Viel mehr als einen Propheten. 10 Er ist es, von dem geschrieben steht: Ich sende meinen Boten vor dir her, damit er den Weg vor dir bereitet.
(Hom. in Ev. vi. 2.) Dies führt er an, nicht um zu behaupten, sondern um zu verneinen. Denn wenn nur ein Hauch von Luft ein Schilfrohr berührt, biegt es es in die eine oder andere Richtung; ein Sinnbild des fleischlichen Geistes, der sich nach der einen oder anderen Seite neigt, je nachdem, ob ihn der Hauch des Lobes oder der Herabsetzung erreicht. Ein vom Wind geschütteltes Schilfrohr war Johannes nicht, denn keine Veränderung der Umstände beugte ihn von seiner Rechtschaffenheit ab. Die Meinung des Herrn ist also: