
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 11
1 Als Jesus mit der Unterweisung seiner zwölf Jünger zu Ende war, zog er weiter, um in den Städten zu lehren und zu predigen. 2 Als Johannes im Gefängnis von den Taten Christi hörte, ließ er durch seine Jünger fragen: 3 Bist du es, der kommen soll, oder müssen wir einen anderen erwarten? 4 Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote werden auferweckt und den Armen wird das Evangelium verkündet. 6 Selig ist, der an mir keinen Anstoß nimmt.
(Hom. in Ev. vi. 1.) Andernfalls; Der Sinn der Ungläubigen wurde sehr geärgert über Christus, weil sie nach vielen vollbrachten Wundern ihn schließlich getötet sahen; daher sagt Paulus: Wir predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis. (1 Kor. 1:23.) Was bedeutet dann jenes: Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert, anderes als eine direkte Anspielung auf die Demütigung seines Todes; gleichsam: Ich tue zwar wunderbare Werke, aber ich verschmähe es nicht, demütige Dinge zu leiden. Weil ich dir also im Tod nachfolge, müssen die Menschen darauf achten, in mir meinen Tod nicht zu verachten, während sie meine wunderbaren Werke verehren.