
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 10
9 Verschafft euch weder Gold, Silber noch Kupfermünzen für euere Gürtel, 10 auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Röcke, weder Sandalen noch Stab. Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.
(De Cons. Ev. ii. 30.) Andernfalls: Als der Herr zu den Aposteln sagte: Besitzt nicht Gold, fügte Er sogleich hinzu: Der Arbeiter ist seines Lohnes würdig, um zu zeigen, warum Er nicht wollte, dass sie diese Dinge besitzen und mit sich tragen; nicht dass diese Dinge nicht für den Unterhalt dieses Lebens nötig wären, sondern dass Er sie so sandte, dass Er zeigte, dass diese Dinge ihnen von denen geschuldet wurden, denen sie das Evangelium predigten, wie Sold den Soldaten. Es ist klar, dass dieses Gebot des Herrn keineswegs impliziert, dass sie nicht nach dem Evangelium auf andere Weise als durch die Beiträge derer leben sollten, denen sie predigten; sonst hätte Paulus dieses Gebot übertreten, als er von der Arbeit seiner eigenen Hände lebte. Aber Er gab den Aposteln die Vollmacht, dass diese Dinge ihnen von dem Haus, in dem sie wohnten, geschuldet wurden. Wenn der Herr jedoch ein Gebot erlassen hat, so ist es, wenn es nicht befolgt wird, die Sünde des Ungehorsams; wenn Er ein Vorrecht gewährt, steht es in jedermanns Macht, es nicht zu nutzen und gleichsam von seinem Recht abzusehen. Nachdem der Herr also diese Maxime gebilligt hatte, dass die, die das Evangelium predigen, vom Evangelium leben sollen, sprach Er diese Dinge zu den Aposteln, damit sie zuversichtlich weder große noch kleine Dinge des Lebensunterhalts besitzen oder mit sich tragen sollten. Daher fügt Er hinzu: Noch einen Stab, um zu zeigen, dass von Seinem Volk Seinen Dienern alles geschuldet wird und sie keine Überflüssigkeiten verlangen. Diese Vollmacht bezeichnet Er durch den Stab, indem Er bei Markus sagt: Nehmt nichts mit außer einem Stab. (Markus 6:18.) Und wenn Er ihnen (bei Matthäus) verbietet, Schuhe mitzunehmen, verbietet Er jene Sorgfalt und jenes Nachdenken, das ängstlich wäre, sie mitzunehmen, damit sie nicht Mangel leiden. So müssen wir auch die zwei Röcke verstehen, dass niemand meinen sollte, es sei notwendig, einen weiteren außer dem getragenen mitzunehmen, in der Annahme, er werde ihn brauchen; denn es stünde in seiner Macht, einen durch diese Vollmacht, die der Herr gab, zu erhalten. Ferner, dass wir bei Markus lesen, sie sollten Sandalen tragen, scheint zu implizieren, dass diese Art von Schuh eine mystische Bedeutung hat, dass der Fuß weder oben bedeckt noch unten bloß sein soll, das heißt, dass das Evangelium nicht verborgen bleiben noch sich auf irdischen Vorteil stützen soll. Auch wenn Er ihnen verbietet, zwei Röcke zu tragen, warnte Er sie, nicht trügerisch, sondern in Einfalt zu wandeln. So können wir nicht zweifeln, dass all diese Dinge vom Herrn teils im wörtlichen, teils im übertragenen Sinn gesagt wurden; und dass von den zwei Evangelisten der eine einige Dinge, der andere andere in seine Erzählung einfügte. Wenn jemand meinen sollte, der Herr könne nicht in einer Rede einiges wörtlich und einiges mystisch gesagt haben, so betrachte er irgendeinen anderen Seiner Ausspruche, und er wird sehen, wie voreilig und ungelehrt seine Meinung ist. Wenn der Herr gebietet, dass die linke Hand nicht wissen soll, was die rechte tut, meint er, dass Almosen und die übrigen Seiner Gebote an jener Stelle bildlich zu verstehen sind?