
Hieronymus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 1
24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie der Engel des Herrn ihm aufgetragen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25 Er erkannte sie aber nicht, bis sie einen Sohn geboren hatte. Und er gab ihm den Namen Jesus.
(Cont. Helvid. c. 5.) Helvidius macht sich viel überflüssige Mühe, dieses Wort ‚erkennen‘ auf fleischliche Erkenntnis statt auf Bekanntschaft zu beziehen, als ob jemand das jemals geleugnet hätte; oder als ob die Torheiten, auf die er antwortet, jemals jemandem von gewöhnlichem Verstand eingefallen wären. Er fährt dann fort zu sagen, dass das Adverb ‚bis‘ einen festen Zeitpunkt bezeichnet, an dem das geschehen sollte, was vorher nicht geschehen war; so dass hier aus den Worten: Er erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte, klar sei, sagt er, dass er sie danach erkannte. Und zum Beweis dafür häuft er viele Beispiele aus der Schrift an. Auf all das antworten wir, dass das Wort ‚bis‘ in der Schrift in zwei Bedeutungen zu verstehen ist. Und bezüglich des Ausdrucks ‚erkannte sie nicht‘ hat er selbst gezeigt, dass er sich auf fleischliche Erkenntnis beziehen muss, wobei niemand bezweifelt, dass er oft von Bekanntschaft gebraucht wird, wie in jenem: Das Kind Jesus blieb in Jerusalem zurück, und seine Eltern wussten es nicht. (Lk 2,43.) In gleicher Weise bezeichnet ‚bis‘ oft in der Schrift, wie er gezeigt hat, einen festen Zeitraum, aber oft auch eine unendliche Zeit, wie in jenem: Bis zu eurem Alter bin ich derselbe. (Jes 46,4.) Wird Gott dann aufhören zu sein, wenn sie alt geworden sind? Auch der Erlöser im Evangelium: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende dieser Welt. (Mt 28,20.) Wird er dann seine Jünger am Ende der Welt verlassen? Wiederum sagt der Apostel: Er muss herrschen, bis er seine Feinde unter seine Füße gelegt hat. (1 Kor 15,25.) Es sei also verstanden, dass das, woran man, wenn es nicht geschrieben wäre, hätte zweifeln können, uns ausdrücklich erklärt wird; anderes ist unserem eigenen Verständnis überlassen. So teilt uns hier der Evangelist mit, worin Irrtum möglich gewesen wäre, dass sie von ihrem Mann nicht erkannt wurde bis zur Geburt ihres Sohnes, damit wir daraus schließen, dass sie viel weniger danach erkannt wurde.