Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 9
30 Sie gingen von dort weiter und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr. 31 Denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände der Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten. Doch wenn er getötet ist, wird er nach drei Tagen auferstehen. 32 Sie aber verstanden das Wort nicht und scheuten sich, ihn zu fragen. 33 Sie kamen nach Kafarnaum. Als er im Haus angelangt war, fragte er sie: Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? 34 Sie schwiegen; sie hatten nämlich unterwegs miteinander darüber gestritten, wer (von ihnen) der Größte sei. 35 Da setzte er sich, rief die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will, muss der Letzte von allen und der Diener aller sein. 36 Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie, umarmte es und sagte zu ihnen: 37 Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.
(ubi sup.) Diese Unwissenheit der Jünger entspringt nicht so sehr aus Langsamkeit des Verstandes als aus Liebe zum Erlöser, denn sie waren noch fleischlich und unwissend über das Geheimnis des Kreuzes; deshalb konnten sie nicht glauben, dass der, den sie als den wahren Gott erkannt hatten, sterben würde; da sie nun gewohnt waren, ihn oft in Gleichnissen reden zu hören, und vor dem Ereignis seines Todes zurückschreckten, wollten sie, dass etwas bildlich in jenen Dingen enthalten sei, die er offen über seinen Verrat und sein Leiden sprach. Es folgt: Und sie kamen nach Kapharnaum.