
Gregor der Große
Catena Aurea · Markusevangelium 8
34 Dann rief er das Volk samt seinen Jüngern zu sich und sagte zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es retten. 36 Denn was nützt es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, aber sein Leben einzubüßen? 37 Was könnte ein Mensch als Preis für sein Leben geben? 38 Denn wer sich vor diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen wird.
(Hom. 32. in Evang.) Es gibt jedoch einige, die Christus bekennen, weil sie sehen, dass alle Menschen Christen sind; denn wenn der Name Christi heutzutage nicht in so großer Herrlichkeit wäre, hätte die Heilige Kirche nicht so viele Bekenner. Die Stimme des Bekenntnisses ist also nicht ausreichend für eine Prüfung des Glaubens, solange das Bekenntnis der Allgemeinheit ihn vor Schande bewahrt. In der Zeit des Friedens gibt es daher einen anderen Weg, auf dem wir uns selbst erkennen können. Wir fürchten stets, von unseren Nächsten verachtet zu werden, wir halten es für eine Schande, verletzende Worte zu ertragen; wenn wir uns vielleicht mit unserem Nächsten gestritten haben, schämen wir uns, der Erste zu sein, der Genugtuung leistet; denn unser fleischliches Herz, das nach der Ehre dieses Lebens strebt, verachtet die Demut.