Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 6
17 Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. Weil er sie geheiratet hatte, 18 hatte Johannes zu Herodes gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben. 19 Das trug ihm Herodias nach und hätte ihn gern umbringen lassen, vermochte es aber nicht; 20 denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und ließ ihn bewachen. Jedes Mal, wenn er ihn hörte, wurde er sehr verlegen, doch hörte er ihn gern. 21 Es kam ein günstiger Tag: Herodes gab an seinem Geburtstag ein Festessen für seine Würdenträger und Offiziere und die Vornehmen Galiläas. 22 Da kam ihre, der Herodias, Tochter und tanzte und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen. Der König sagte zu dem Mädchen: Wünsche dir von mir, was du willst; ich werde es dir geben. 23 Er schwor ihr: Was du auch von mir verlangst, ich werde es dir geben, bis zur Hälfte meines Reiches. 24 Da ging sie hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Was soll ich mir wünschen? Sie aber sagte: Den Kopf Johannes' des Täufers. 25 Sofort eilte sie zum König hinein und bat: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schüssel den Kopf Johannes' des Täufers gibst. 26 Da wurde der König sehr betrübt, doch wegen seiner Schwüre und wegen der Gäste wollte er sie nicht abweisen. 27 Also schickte der König sogleich einen Scharfrichter los mit dem Befehl, den Kopf zu bringen. Der ging hin, enthauptete ihn im Gefängnis, 28 brachte seinen Kopf auf einer Schüssel und gab ihn dem Mädchen und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. 29 Als seine Jünger das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.
(ubi sup.) Es ist in der Schrift üblich, dass der Historiker Ereignisse so berichtet, wie sie damals von allen geglaubt wurden; so wird Josef von Maria selbst der Vater Jesu genannt. So wird nun auch Herodes als sehr betrübt bezeichnet, denn so dachten die Gäste, da der Heuchler Traurigkeit im Gesicht trug, während er Freude im Herzen hatte; und er entschuldigt seine Bosheit mit seinem Eid, damit er unter dem Vorwand der Frömmigkeit gottlos sei. Daher folgt: Um seines Eides willen und um derer willen, die mit ihm saßen, wollte er sie nicht abweisen.