Glossa ordinaria
Catena Aurea · Markusevangelium 4
35 Am Abend dieses Tages sagte er zu ihnen: Wir wollen an das andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie entließen das Volk und nahmen ihn, wie er war, im Boot mit. Auch andere Boote begleiteten ihn. 37 Da erhob sich ein gewaltiger Sturm und die Wogen schlugen ins Boot, sodass das Boot sich schon füllte. 38 Er aber schlief im Heck des Bootes auf dem Kissen. Da weckten sie ihn und sagten zu ihm: Meister, liegt dir nichts daran, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, schalt den Wind und sagte zur See: Schweig, sei still! Da legte sich der Wind und es trat große Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Da gerieten sie in große Furcht und sagten zueinander: Was ist das für ein Mann, dass selbst der Wind und der See ihm gehorchen?
(non occ.) Denn aus der Aufgewühltheit des Meeres entsteht ein gewisser Laut, der seine Stimme zu sein scheint, die Gefahr droht, und daher befiehlt er mit einer Art Metapher passend die Ruhe durch ein Wort, das Schweigen bedeutet; so wie er beim Zurückhalten der Winde, die das Meer mit ihrer Gewalt beunruhigen, einen Tadel verwendet. Denn Menschen, die an der Macht sind, pflegen diejenigen zu zügeln, die den Frieden der Menschheit grob stören, indem sie ihnen drohen, sie zu bestrafen; dadurch wird uns also zu verstehen gegeben, dass, wie ein König gewalttätige Menschen durch Drohungen zurückhalten und durch seine Edikte das Murren seines Volkes besänftigen kann, so Christus, der König aller Geschöpfe, durch seine Drohungen die Gewalt der Winde zurückhielt und das Meer zum Schweigen zwang. Und sogleich folgte die Wirkung, denn es fährt fort: Und der Wind legte sich, den er bedroht hatte, und es entstand eine große Stille, das heißt im Meer, dem er Schweigen geboten hatte.