Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 3
6 Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten sogleich zusammen mit den Herodianern den Beschluss, ihn umzubringen. 7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern an den See zurück. Eine große Volksschar aus Galiläa folgte ihm. Auch aus Judäa 8 und aus Jerusalem, aus Idumäa und von jenseits des Jordan sowie aus der Gegend von Tyrus und Sidon kam eine große Menge zu ihm, als sie von seinen Taten gehört hatten. 9 Da bat er seine Jünger, ein Boot für ihn bereitzuhalten, damit die Menge ihn nicht erdrücke. 10 Denn er heilte viele, sodass alle, die von Leiden gequält waren, sich auf ihn stürzten, um ihn zu berühren. 11 Auch die unreinen Geister fielen vor ihm nieder, sobald sie ihn erblickten, und schrien: Du bist der Sohn Gottes! 12 Er aber fuhr sie hart an, dass sie ihn nicht bekannt machten.
(ubi sup.) Also fielen beide vor dem Herrn nieder, sowohl die, welche die Plagen körperlicher Krankheiten hatten, als auch die, welche von unreinen Geistern geplagt wurden. Die Kranken taten dies einfach in der Absicht, Gesundheit zu erlangen, aber die Besessenen, oder vielmehr die Teufel in ihnen, weil sie unter der Herrschaft der Gottesfurcht gezwungen waren, nicht nur vor Ihm niederzufallen, sondern auch seine Majestät zu preisen; daher heißt es: Und sie schrien und sprachen: Du bist der Sohn Gottes. Und hier müssen wir uns über die Blindheit der Arianer wundern, die nach der Herrlichkeit seiner Auferstehung den Sohn Gottes leugnen, den die Teufel als Sohn Gottes bekennen, obwohl Er noch mit menschlichem Fleisch bekleidet ist. Es folgt: Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten. (Ps. 50:16) Denn Gott sagte zum Sünder: Warum verkündest du meine Gesetze? Einem Sünder ist es verboten, den Herrn zu predigen, damit nicht jemand, der seine Predigt hört, ihm in seinem Irrtum folge, denn der Teufel ist ein böser Meister, der immer Falsches mit Wahrem vermischt, damit der Anschein der Wahrheit das Zeugnis des Betrugs decke. Aber nicht nur Teufel, sondern auch von Christus Geheilte und sogar Apostel werden angewiesen, vor dem Leiden über Ihn zu schweigen, damit nicht durch die Predigt von der Majestät seiner Göttlichkeit die Ökonomie seines Leidens verzögert werde. Aber allegorisch: Als der Herr aus der Synagoge kam und sich dann an das Meer zurückzog, stellte Er das Heil der Heiden dar, zu denen Er durch ihren Glauben zu kommen würdigte, nachdem Er die Juden wegen ihres Treubruchs verlassen hatte. Denn die Völker, die auf verschiedenen Irrwegen des Irrtums umhergetrieben werden, werden passend mit dem unsteten Meer verglichen. (v. Cyprian. Ep. lxiii. Aug. de Civ. Dei, 20, 16.) Wiederum folgte Ihm eine große Menge aus verschiedenen Provinzen, weil Er viele Nationen mit Freundlichkeit aufgenommen hat, die durch die Predigt der Apostel zu Ihm kamen. Aber das Schiff, das im Meer auf den Herrn wartet, ist die Kirche, die aus den Nationen gesammelt ist; und Er geht hinein, damit die Menge Ihn nicht bedränge, weil Er, vor den unruhigen Gemütern fleischlich gesinnter Menschen fliehend, sich freut, zu denen zu kommen, die die Herrlichkeit dieser Welt verachten, und in ihnen zu wohnen. Ferner gibt es einen Unterschied zwischen dem Bedrängen des Herrn und dem Berühren Ihm; denn sie bedrängen Ihn, wenn sie durch fleischliche Gedanken und Taten den Frieden stören, in dem die Wahrheit wohnt; aber der berührt Ihn, der Ihn durch Glauben und Liebe in sein Herz aufgenommen hat; daher wird von denen, die Ihn berührten, gesagt, dass sie gerettet wurden.