Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 2
1 Als er nach einigen Tagen wieder nach Kafarnaum kam, wurde bekannt, dass er zu Hause war. 2 Und es strömten so viele zusammen, dass nicht einmal vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort. 3 Da kamen Leute und brachten einen Gelähmten zu ihm, der von vier Männern getragen wurde. 4 Weil sie ihn wegen der Menge nicht bis zu ihm hinbringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo Jesus war, machten eine Öffnung und ließen das Bett hinab. 5 Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: Kind, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen aber einige Schriftgelehrte dort und dachten in ihrem Herzen: Was redet der so? Er lästert. 7 Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Doch Jesus erkannte sogleich in seinem Geist ihre Gedanken und sagte zu ihnen: Was denkt ihr in eueren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Macht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben -- sagte er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging sofort vor aller Augen hinaus, sodass alle außer sich gerieten, Gott priesen und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.
(ubi sup.) Wir werden auch belehrt, dass viele Krankheiten des Leibes aus Sünden entstehen, und daher werden vielleicht zuerst die Sünden vergeben, damit, wenn die Ursachen der Krankheit beseitigt sind, die Gesundheit wiederhergestellt werde. Denn die Menschen werden aus fünf Gründen von fleischlichen Leiden geplagt: um ihre Verdienste zu vermehren, wie Hiob und die Märtyrer; oder um ihre Niedrigkeit zu bewahren, wie Paulus durch den Engel des Satans; oder damit sie ihre Sünden erkennen und korrigieren, wie Mirjam, die Schwester des Mose, und dieser Gelähmte; oder zur Ehre Gottes, wie der Blindgeborene und Lazarus; oder als Anfänge der Schmerzen der Verdammnis, wie Herodes und Antiochus. Aber wunderbar ist die Kraft der göttlichen Macht, wo ohne den geringsten Zeitabstand auf das Wort des Heilands hin eine schnelle Gesundheit seinen Worten folgt. Daher folgt: Sodass sie alle erstaunten. Sie lassen das Größere, nämlich die Vergebung der Sünden, außer Acht und wundern sich nur über das, was offensichtlich ist, nämlich die Gesundheit des Leibes.