Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 15
42 Als es schon Abend geworden war -- es war nämlich Rüsttag, das heißt der Tag vor dem Sabbat --, 43 kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete. Er wagte es, zu Pilatus zu gehen, und bat um den Leichnam Jesu. 44 Pilatus aber wunderte sich, dass er schon gestorben sein sollte, ließ den Hauptmann kommen und fragte ihn, ob er schon lange tot sei. 45 Als er es vom Hauptmann erfahren hatte, schenkte er Josef den Leichnam. 46 Der kaufte Leinwand, nahm ihn herab, hüllte ihn in die Leinwand, legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war und wälzte einen Stein vor den Eingang des Grabes. 47 Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses, sahen zu, wohin er gelegt wurde.
(ubi sup.) Was im Griechischen parasceue heißt, ist im Lateinischen præparatio; mit diesem Namen pflegten jene Juden, die unter Griechen lebten, den sechsten Wochentag zu bezeichnen, weil sie an ihm das vorbereiteten, was für den Rest des Sabbattages notwendig war. Weil also der Mensch am sechsten Tag erschaffen wurde, am siebten aber der Schöpfer von all seinem Werk ruhte, wurde unser Heiland mit Recht am sechsten Tag gekreuzigt und erfüllte so das Geheimnis der Wiederherstellung des Menschen. Am Sabbat aber, im Grab ruhend, wartete er auf das Ereignis der Auferstehung, die am achten Tag kommen sollte. So müssen auch wir in diesem Zeitalter der Welt gekreuzigt sein; am siebten Tag aber, das heißt, wenn der Mensch die Schuld des Todes bezahlt hat, müssen unsere Leiber zwar im Grab ruhen, unsere Seelen aber nach guten Werken in verborgenem Frieden mit Gott; bis in der achten Periode sogar unsere Leiber selbst, in der Auferstehung verherrlicht, zusammen mit unseren Seelen die Unverweslichkeit empfangen. Der Mann aber, der den Leib des Herrn begrub, musste notwendig durch seine gerechten Verdienste würdig und durch den Adel weltlicher Macht fähig sein, diesen Dienst zu verrichten. Daher heißt es: Ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete. Er wird im Lateinischen decurio genannt, weil er aus dem Stand der curia war und das Amt eines Provinzmagistrats versah; dieser Beamte wurde auch curialis genannt, wegen seiner Sorge für bürgerliche Pflichten. Arimathäa ist dasselbe wie Ramathain, die Stadt Elkans und Samuels.