Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 15
33 Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 34 Und in der neunten Stunde rief Jesus laut: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Als einige von den Dabeistehenden das hörten, sagten sie: Hört, er ruft Elija! 36 Und einer lief hin, füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken, wobei er sagte: Lasst, wir wollen sehen, ob Elija kommt, ihn herabzunehmen. 37 Jesus aber stieß einen lauten Schrei aus und verschied.
(ubi sup.) Denn als Adam sündigte, ist auch geschrieben, dass er die Stimme des Herrn hörte, der im Paradies wandelte, in der Kühle nach dem Mittag; (Gen. 3:8.) und in jener Stunde, in der der erste Adam durch die Sünde den Tod in die Welt brachte, in derselben Stunde zerstörte der zweite Adam durch sein Sterben den Tod. Und wir müssen beachten, dass unser Herr gekreuzigt wurde, als die Sonne sich vom Mittelpunkt der Welt entfernte; aber bei Sonnenaufgang feierte Er die Geheimnisse Seiner Auferstehung; denn Er starb für unsere Sünden, aber Er stand wieder auf für unsere Rechtfertigung. Und du brauchst dich nicht über die Niedrigkeit Seiner Worte zu wundern, über die Klagen wie eines Verlassenen, wenn du auf das Ärgernis des Kreuzes blickst und die Gestalt eines Knechtes kennst. Denn wie Hunger, Durst und Müdigkeit nicht Eigenschaften der Gottheit waren, sondern körperliche Affekte; so war Sein Wort: Warum hast du mich verlassen? einer körperlichen Stimme eigen, denn der Körper ist von Natur aus niemals gewohnt, sich von dem mit ihm verbundenen Leben trennen zu wollen. Denn obwohl unser Erlöser selbst dies sagte, zeigte Er doch wirklich die Schwäche Seines Körpers; Er sprach also als Mensch und trug meine Gefühle mit sich, denn wenn wir in Gefahr sind, glauben wir, von Gott verlassen zu sein.