
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Markusevangelium 15
6 An jedem Fest gab er ihnen einen Gefangenen frei, den sie sich ausbitten konnten. 7 Nun saß gerade ein Mann namens Barabbas im Gefängnis zusammen mit den Aufrührern, die bei dem Aufstand einen Mord verübt hatten. 8 Die Menge zog hin und begann zu begehren, was er ihnen zu gewähren pflegte. 9 Pilatus fragte sie: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe? 10 Er wusste nämlich, dass ihn die Hohenpriester nur aus Neid überliefert hatten. 11 Die Hohenpriester aber hetzten die Masse auf, er solle ihnen lieber den Barabbas freigeben. 12 Da ergriff Pilatus nochmals das Wort und fragte sie: Was soll ich dann mit dem machen, den ihr den König der Juden nennt? 13 Da schrien sie wiederum: Kreuzige ihn! 14 Pilatus erwiderte: Was hat er denn Böses getan? Da schrien sie noch lauter: Kreuzige ihn! 15 Weil aber Pilatus das Volk zufrieden stellen wollte, gab er ihnen Barabbas frei, Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung.
(ubi sup.) Niemand kann es als Schwierigkeit empfinden, dass Matthäus davon schweigt, dass sie darum baten, ihnen einen freizugeben, was Markus hier erwähnt; denn es ist ohne Belang, dass der eine eine Sache erwähnt, die der andere auslässt. Es folgt: Aber Pilatus antwortete ihnen und sprach: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe? Denn er wusste, dass die Hohenpriester ihn aus Neid überliefert hatten. Jemand könnte fragen, welches die Worte des Pilatus waren, die, die Matthäus berichtet, oder die, die Markus erzählt; denn es scheint ein Unterschied zu bestehen zwischen: Wen wollt ihr, dass ich euch freigebe? Barabbas oder Jesus, der Christus genannt wird? wie Matthäus es hat; und: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe? (Mt 27,17) wie hier gesagt wird. Da sie aber den Königen den Namen Christi gaben, muss der, der dies sagte, gefragt haben, ob sie wünschten, dass der König der Juden, das heißt Christus, ihnen freigegeben werde. Es macht für den Sinn keinen Unterschied, dass Markus nichts von Barabbas gesagt hat, da er nur erwähnen wollte, was den Herrn betraf, weil er durch ihre Antwort hinreichend zeigte, wen sie freigegeben haben wollten. Denn es folgt: Aber die Hohenpriester wiegelten das Volk auf, dass er ihnen lieber Barabbas freigebe.