Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 12
41 Er setzte sich dem Opferkasten gegenüber und sah zu, wie die Leute Geld in den Opferkasten warfen. Viele Reiche warfen viel hinein. 42 Da kam eine arme Witwe und warf zwei Lepta hinein, das ist ein Quadrans. 43 Da rief er seine Jünger zu sich und sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle anderen. 44 Denn alle haben nur von ihrem Überfluss gegeben; sie aber hat in ihrer Armut alles eingeworfen, was sie zum Leben hatte.
(ubi sup) Wiederum in allegorischer Weise zeigen die reichen Männer, die Gaben in den Opferkasten warfen, die Juden auf, die von der Gerechtigkeit des Gesetzes aufgeblasen sind; die arme Witwe ist die Einfachheit der Kirche: arm in der Tat, weil sie den Geist des Stolzes und der Begierden nach weltlichen Dingen weggeworfen hat; und eine Witwe, weil Jesus, ihr Bräutigam, für sie den Tod erlitten hat. Sie wirft zwei Scherflein in den Opferkasten, weil sie die Liebe zu Gott und zum Nächsten bringt, oder die Gaben des Glaubens und des Gebets; welche in ihrer eigenen Geringfügigkeit als Scherflein angesehen werden, aber gemessen am Verdienst einer frommen Absicht allen stolzen Werken der Juden überlegen sind. Der Jude sendet von seinem Überfluss in den Opferkasten, weil er auf seine eigene Gerechtigkeit vertraut; aber die Kirche sendet ihren ganzen Lebensunterhalt in Gottes Opferkasten, weil sie versteht, dass sogar ihr Lebensunterhalt nicht aus ihrem eigenen Verdienst, sondern aus göttlicher Gnade stammt.