Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 12
35 Als Jesus im Tempel lehrte, ergriff er das Wort und sagte: Wie können die Schriftgelehrten behaupten, der Messias sei der Sohn Davids? 36 David selbst hat doch, vom Heiligen Geist erfüllt, gesagt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter deine Füße lege. 37 David selbst also nennt ihn Herr. Woher ist er dann sein Sohn?Die große Menge hörte ihm gern zu. 38 Er lehrte sie und sagte: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gern in wallenden Gewändern einhergehen, die es lieben, auf den Marktplätzen begrüßt zu werden 39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die Ehrenplätze bei den Gastmählern einzunehmen. 40 Sie zehren die Häuser der Witwen auf und verrichten zum Schein lange Gebete. Sie werden ein um so strengeres Urteil erfahren.
(ubi sup.) Wir müssen beachten, dass er nicht verbietet, dass diejenigen, denen es nach der Ordnung ihres Amtes zukommt, auf dem Marktplatz gegrüßt werden oder die ersten Sitze und Plätze bei Gastmählern haben, sondern er lehrt, dass diejenigen, die solche Dinge ungebührlich lieben, ob sie sie haben oder nicht, von den Gläubigen als böse Menschen gemieden werden sollen: das heißt, er tadelt die Absicht und nicht das Amt; obwohl auch dies tadelnswert ist, dass gerade die Männer, die in Moses' Sitz Lehrer der Synagoge genannt werden wollen, sich mit Rechtsstreitigkeiten auf dem Marktplatz befassen. Wir werden auf zwei Weisen angewiesen, uns vor denen zu hüten, die nach eitler Ehre streben; erstens sollen wir uns nicht durch ihre Heuchelei verleiten lassen zu glauben, dass, was sie tun, gut sei; noch zweitens sollen wir angeregt werden, sie nachzuahmen, durch eine eitle Freude daran, für jene Tugenden gelobt zu werden, die sie vortäuschen.