Beda Venerabilis
Catena Aurea · Markusevangelium 12
28 Einer der Schriftgelehrten, der sie miteinander disputieren gehört und erkannt hatte, wie treffend er ihnen antwortete, trat hinzu und fragte ihn: Welches ist das erste Gebot von allen? 29 Jesus antwortete: Das Erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. 31 Das Zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als dieses ist kein anderes Gebot. 32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Trefflich, Meister, du hast ganz richtig gesagt: Er ist nur ein Einziger und es gibt keinen anderen außer ihm 33 und ihn zu lieben aus ganzem Herzen, aus ganzem Denken und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. 34 Als Jesus ihn so verständig antworten hörte, sagte er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihm eine Frage vorzulegen.
(ubi sup.) Er zeigt, wenn er sagt, dies sei größer als alle Opfer, dass zwischen den Schriftgelehrten und Pharisäern oft eine gewichtige Frage erörtert wurde, welches das erste Gebot oder das größte des göttlichen Gesetzes sei; das heißt, einige lobten Opfer und Schlachtopfer, andere zogen Werke des Glaubens und der Liebe vor, weil viele der Väter vor dem Gesetz Gott allein durch jenen Glauben gefielen, der durch die Liebe wirkt. Dieser Schriftgelehrte zeigt, dass er der letzteren Meinung war. Es fährt aber fort: Und als Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sagte er zu ihm: Du bist nicht weit vom Reich Gottes.