
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 9
46 Es kam die Überlegung bei ihnen auf, wer wohl der Größte von ihnen sei. 47 Jesus, der die Gedanken ihres Herzens kannte, nahm ein Kind, stellte es neben sich 48 und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß. 49 Da nahm Johannes das Wort und sprach: Meister, wir sahen einen in deinem Namen Dämonen austreiben und wir wollten ihn hindern, weil er nicht mit uns zusammen (dir) nachfolgt. 50 Jesus aber sagte zu ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.
Aber unser Herr, der zu retten weiß, sah in den Herzen der Jünger den Gedanken, der dort wie eine gewisse Wurzel der Bitterkeit aufgestiegen war, und riss ihn mit der Wurzel aus, bevor er wuchs. Denn wenn Leidenschaften erst in uns beginnen, sind sie leicht zu überwinden; aber wenn sie Kraft gewonnen haben, sind sie schwer auszurotten. Daher folgt: Und Jesus erkannte den Gedanken ihres Herzens, usw. Wer Jesus für einen bloßen Menschen hält, soll wissen, dass er geirrt hat; denn das Wort, obwohl Fleisch geworden, blieb Gott. Denn Gott allein kann Herz und Nieren erforschen. Aber indem Er ein Kind nahm und es neben Sich stellte, tat Er es um der Apostel und unseretwillen. Denn die Krankheit der eitlen Ruhmsucht nährt sich gewöhnlich von denen, die den Vorrang vor anderen Menschen haben. Aber ein Kind hat einen reinen Sinn und ein unbeflecktes Herz und verharrt in Einfalt des Denkens; es sucht keine Ehren, kennt nicht die Grenzen der Macht eines jeden und scheut es nicht, anderen unterlegen zu erscheinen, ohne Mürrischkeit in Sinn oder Herz. Solche umarmt und liebt der Herr und hält sie für würdig, in Seiner Nähe zu sein, als solche, die erwählt haben, von dem zu kosten, was Sein ist; denn Er sagt: Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. Daher folgt: Und Er sprach zu ihnen: Wer ein Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf. Als ob Er sagen wollte: Da es ein und derselbe Lohn für die ist, die die Heiligen ehren, sei es nun, dass ein solcher der Geringste ist oder einer, der durch Ehren und Ruhm ausgezeichnet ist, denn in ihm wird Christus aufgenommen, wie eitel ist es da, den Vorrang zu suchen?