Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 9
37 Als sie am folgenden Tag vom Berg herabstiegen, kam ihnen viel Volk entgegen. 38 Da rief ein Mann aus der Menge: Meister, ich bitte dich, nimm dich meines Sohnes an, es ist mein einziger! 39 Ein Geist packt ihn und plötzlich schreit er auf, er zerrt ihn hin und her, sodass er schäumt; er lässt kaum von ihm ab und reibt ihn ganz auf. 40 Ich habe deine Jünger gebeten, ihn auszutreiben, aber es gelang ihnen nicht. 41 Da erwiderte Jesus: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange noch muss ich bei euch sein und euch ertragen? Bring deinen Sohn her! 42 Aber noch während er herbeikam, riss und zerrte ihn der Dämon hin und her. Jesus herrschte den unreinen Geist an, heilte den Knaben und gab ihn seinem Vater wieder. 43 Und alle gerieten außer sich vor Staunen über die große Macht Gottes.Während alle über das staunten, was er wirkte, sagte er zu seinen Jüngern:
In mystischer Weise steigt unser Herr nun entsprechend ihren Verdiensten täglich zu manchen Menschen auf, da Er die Vollkommenen und jene, deren Wandel im Himmel ist, durch höhere Erhebung verherrlicht, sie in ewigen Dingen unterweist und sie Dinge lehrt, die von der Menge nicht gehört werden können; zu anderen aber steigt Er herab, indem Er die irdischen und törichten Menschen stärkt, sie lehrt und züchtigt. Diesen Besessenen nennt Matthäus einen Mondsüchtigen; Markus einen Taubstummen. (Matt. 17:15, Mark 9:25.) Matthäus bezeichnet jene, die sich wie der Mond verändern, durch verschiedene Laster zu- und abnehmen; Markus jene, die stumm sind im Nichtbekennen des Glaubens, taub im Nichthören des Wortes des Glaubens selbst. Während der Knabe zu unserem Herrn kommt, wird er zu Boden geworfen; weil die Menschen, wenn sie sich zum Herrn wenden, oft schwer vom Teufel geplagt werden, damit er einen Hass auf die Tugend einflöße oder das Unrecht seiner Austreibung räche. Wie er zu Beginn der Kirche so viele heftige Kämpfe führte, wie er plötzliche Verluste seines Reiches zu beklagen hatte. Aber unser Herr tadelt nicht den Knaben, der Gewalt erlitt, sondern den bösen Geist, der sie zufügte; denn wer den Sünder zurechtbringen will, muss durch Tadel und Abscheu das Laster vertreiben, den Menschen aber durch Sanftmut wieder aufrichten, bis er ihn dem geistlichen Vater der Kirche zurückgeben kann.