
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 9
23 Zu allen sagte er: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. 25 Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert und zugrunde geht? 26 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt und in der Herrlichkeit des Vaters und der heiligen Engel. 27 Wahrhaftig, ich sage euch: Unter denen, die hier stehen, sind einige, die den Tod nicht kosten werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
Unser Herr aber, während er uns stets dazu erhebt, auf den zukünftigen Lohn der Tugend zu blicken, und uns lehrt, wie gut es ist, weltliche Dinge zu verachten, stützt er ebenso die Schwachheit des menschlichen Geistes durch einen gegenwärtigen Lohn. Denn es ist eine harte Sache, das Kreuz auf sich zu nehmen und sein Leben der Gefahr und seinen Leib dem Tod auszusetzen; aufzugeben, was man ist, wenn man sein möchte, was man nicht ist; und selbst die erhabenste Tugend tauscht selten Gegenwärtiges gegen Zukünftiges. Der gute Meister aber, damit niemand durch Verzweiflung oder Müdigkeit gebrochen werde, verheißt sogleich, dass er von den Gläubigen gesehen werden wird, mit diesen Worten: Aber ich sage euch: Es stehen hier einige, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes sehen.