
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 9
23 Zu allen sagte er: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. 25 Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert und zugrunde geht? 26 Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt und in der Herrlichkeit des Vaters und der heiligen Engel. 27 Wahrhaftig, ich sage euch: Unter denen, die hier stehen, sind einige, die den Tod nicht kosten werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben.
(Hom. 32. in Ev.) Da nun die heilige Kirche eine Zeit der Verfolgung und eine andere Zeit des Friedens hat, hat unser Herr beide Zeiten in seinem Gebot an uns berücksichtigt. Denn zur Zeit der Verfolgung müssen wir unsere Seele, das heißt unser Leben, hingeben, was er bezeichnete mit den Worten: Wer sein Leben verliert. In der Zeit des Friedens aber müssen jene Dinge besiegt werden, die die größte Macht haben, uns zu unterwerfen, unsere irdischen Begierden; was er bezeichnete mit den Worten: Was nützt es einem Menschen, usw. Nun verachten wir gewöhnlich alle vergänglichen Dinge, aber wir werden dennoch so sehr durch jenes Schamgefühl, das dem Menschen so eigen ist, gehemmt, dass wir noch nicht in Worten ausdrücken können, welche Rechtschaffenheit wir in unseren Herzen bewahren. Aber auf diese Wunde setzt der Herr tatsächlich eine passende Anwendung, indem er sagt: Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen.