
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Lukasevangelium 8
49 Noch während er sprach, kam jemand von den Leuten des Synagogenvorstehers und sagte: Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Meister nicht weiter. 50 Jesus aber hörte das und antwortete ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur, und sie wird gerettet. 51 Als er das Haus betrat, ließ er niemand mit sich hineingehen außer Petrus, Jakobus, Johannes und den Vater und die Mutter des Mädchens. 52 Alle weinten und klagten um sie. Er aber sagte: Weint nicht, sie ist nicht tot, sondern sie schläft. 53 Da verlachten sie ihn, weil sie wussten, dass sie gestorben war. 54 Er aber ergriff ihre Hand und rief: Mädchen, steh auf! 55 Da kehrte ihr Geist zurück und sie stand sogleich auf. Und er befahl, ihr zu essen zu geben. 56 Ihre Eltern waren außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu erzählen, was geschehen war.
(de Con. Ev. l. ii. c. 28.) Da aber Matthäus berichtet, der Synagogenvorsteher habe unserem Herrn gesagt, seine Tochter sei nicht dem Tode nahe, sondern ganz tot, und Lukas und Markus sagen, sie sei noch nicht tot gewesen, ja sogar so weit gehen zu sagen, dass später einige kamen, die ihren Tod meldeten, müssen wir prüfen, ob sie nicht im Widerspruch zu stehen scheinen. Und wir müssen verstehen, dass Matthäus der Kürze wegen lieber sagte, unser Herr sei gebeten worden, das zu tun, was er offensichtlich tat, nämlich die Tote aufzuerwecken. Denn unser Herr braucht nicht die Worte des Vaters über seine Tochter, sondern was wichtiger ist, seinen Willen. Gewiss, wenn die anderen beiden oder einer von ihnen erwähnt hätten, dass der Vater gesagt hätte, was diejenigen sagten, die aus dem Haus kamen, dass Jesus nicht beunruhigt werden müsse, weil das Mädchen tot sei, würden seine Worte, die Matthäus überliefert hat, mit seinen Gedanken im Widerspruch zu stehen scheinen. Nun aber wird von denen, die jene Botschaft brachten und sagten, der Meister brauche nicht zu kommen, nicht gesagt, dass der Vater zustimmte. Der Herr tadelte ihn also nicht als ungläubig, sondern bestärkte seinen Glauben umso nachdrücklicher. Wie es folgt: Als Jesus das hörte, antwortete er dem Vater des Mädchens: Fürchte dich nicht, glaube nur, usw.