
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 8
22 Eines Tages stieg er mit seinen Jüngern in ein Boot und sagte zu ihnen: Wir wollen an das andere Ufer des Sees hinüberfahren. Und sie fuhren ab. 23 Während sie fuhren, schlief er ein. Da stieß ein Sturm auf den See hinunter, sie wurden überflutet und kamen in Gefahr. 24 Da traten sie zu ihm, weckten ihn und riefen: Meister, Meister, wir gehen zugrunde! Er aber erhob sich, schalt den Wind und die Wogen; sie legten sich und es trat Stille ein. 25 Da sagte er zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber gerieten in Furcht und Staunen und sagten zueinander: Was ist das für ein Mann, dass er selbst den Winden und dem Wasser gebietet und sie ihm gehorchen?
Du musst bedenken, dass niemand den Lauf dieses Lebens ohne Versuchungen durchlaufen kann, denn die Versuchung ist die Prüfung des Glaubens. Wir sind daher den Stürmen geistiger Bosheit ausgesetzt, aber als wachsame Seeleute müssen wir den Steuermann wecken, der nicht gehorcht, sondern den Winden gebietet; obwohl Er jetzt nicht mehr im Schlaf Seines eigenen Leibes schläft, so hüten wir uns doch, dass Er uns nicht durch den Schlaf unseres Leibes schlafend und ruhend erscheint. Die aber werden zu Recht getadelt, die sich fürchteten, als Christus gegenwärtig war; denn wer an Ihm festhält, kann wahrlich keineswegs zugrunde gehen.