
Gregor der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 7
36 Ein Pharisäer lud Jesus zum Essen ein. Er ging in das Haus des Pharisäers und legte sich zu Tisch. 37 Da erfuhr eine Frau in der Stadt, eine Sünderin, dass er im Haus des Pharisäers zu Tisch lag. Sie brachte ein Alabastergefäß mit Salböl, 38 trat weinend von hinten an ihn heran und begann seine Füße mit ihren Tränen zu benetzen. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. 39 Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er ein Prophet wäre, so würde er doch wissen, wer und was das für eine Frau ist, die ihn berührt; sie ist ja eine Sünderin. 40 Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er erwiderte: Meister, sprich! 41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner, der eine schuldete ihm fünfhundert Denare, der andere fünfzig. 42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er es beiden. Welcher von ihnen wird ihn nun mehr lieben? 43 Simon antwortete: Ich denke der, dem er mehr geschenkt hat. Er sagte zu ihm: Du hast richtig geurteilt. 44 Und sich zu der Frau hinwendend, sagte er zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus: Wasser für die Füße hast du mir nicht gegeben; sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45 Einen Kuss hast du mir nicht gegeben; sie aber hat, seitdem sie eingetreten ist, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen. 46 Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Öl gesalbt. 47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind ihr vergeben, weil sie viel geliebt hat; wem aber nur wenig vergeben wird, der liebt auch wenig. 48 Zu ihr aber sagte er: Deine Sünden sind dir vergeben. 49 Da dachten die (anderen) Tischgenossen: Wer ist das, der sogar Sünden vergibt? 50 Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dich gerettet. Geh hin in Frieden!
(in Hom. 33. in Evang.) Denn ihre Augen, die einst nach irdischen Dingen begehrten, verzehrte sie nun mit bußfertigem Weinen. Einst zeigte sie ihr Haar zur Zierde ihres Gesichts, nun trocknete sie mit ihrem Haar ihre Tränen. Wie es folgt: Und sie trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes. Einst sprach sie stolze Worte mit ihrem Mund, doch indem sie die Füße des Herrn küsste, drückte sie ihre Lippen auf die Fußspuren ihres Erlösers. Einst verwendete sie Salböl zum Wohlgeruch ihres Körpers; was sie unwürdig auf sich selbst angewandt hatte, bot sie nun lobenswert Gott dar. Wie es folgt: Und sie salbte mit Salböl. So viele Genüsse sie in sich selbst hatte, so viele Opfer ersann sie aus sich selbst. Sie verwandelt die Zahl ihrer Fehler in dieselbe Zahl von Tugenden, damit so viel von ihr Gott in ihrer Buße diene, wie Gott in ihrer Sünde verachtet hatte.