
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 7
24 Als die Boten des Johannes weggegangen waren, begann er, zu den Volksscharen über Johannes zu sprechen: Wozu seid ihr in die Wüste hinausgegangen? Ein Schilfrohr zu sehen, das im Wind schwankt? 25 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Menschen zu sehen mit feinen Kleidern angetan? Leute, die prächtig gekleidet sind und in Üppigkeit leben, sind in den Palästen der Könige. 26 Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Viel mehr als einen Propheten. 27 Er ist es, von dem geschrieben steht: Ich sende meinen Boten vor dir her, damit er den Weg vor dir bereitet. 28 Ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer. Aber der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er.
Nicht ohne Grund also wird dort der Charakter des Johannes gelobt, der den Weg der Gerechtigkeit der Liebe zum Leben vorzog und nicht aus Furcht vor dem Tod abwich. Denn diese Welt scheint mit einer Wüste verglichen zu werden, in die, wie der Herr sagt, wir nicht so eintreten dürfen, dass wir Menschen, die von fleischlichem Sinn aufgeblasen und ohne innere Tugend sind und sich in den Höhen zerbrechlicher weltlicher Herrlichkeit brüsten, als eine Art Beispiel und Vorbild zur Nachahmung betrachten. Und da solche den Stürmen dieser Welt ausgesetzt und von einem ruhelosen Leben hin- und hergeworfen werden, werden sie zu Recht mit einem Rohr verglichen.