Beda Venerabilis
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
46 Was sagt ihr zu mir: Herr, Herr!, und tut nicht, was ich sage? 47 Jeder, der zu mir kommt und meine Worte hört und sie befolgt -- ich will euch zeigen, wem er gleich ist. 48 Er gleicht einem Mann, der beim Hausbau in die Tiefe grub und das Fundament auf dem Felsen errichtete. Als nun Hochwasser kam, brandete die Flut gegen das Haus und vermochte es nicht zu erschüttern, weil es gut gebaut war. 49 Wer aber hört und nicht danach handelt, gleicht einem Mann, der sein Haus ohne festes Fundament auf die Erde baute. Die Flut umbrandete es und es stürzte sofort ein und der Einsturz jenes Hauses war groß.
Das Haus des Teufels ist die Welt, die im Bösen liegt (1 Joh 5,19), das er auf der Erde baut, weil er die, die ihm gehorchen, vom Himmel zur Erde hinabzieht; er baut ohne Fundament, denn die Sünde hat kein Fundament, sie besteht nicht durch ihre eigene Natur, denn das Böse ist ohne Substanz, das jedoch, was es auch sei, in der Natur des Guten wächst. Weil aber das Fundament von fundus seinen Namen hat, können wir nicht unpassend verstehen, dass hier fundamentum für fundus steht. Wie nun der, der in einen Brunnen gefallen ist, am Grund des Brunnens festgehalten wird, so bleibt die abfallende Seele gleichsam am äußersten Grund stehen, solange sie in irgendeinem Maße in der Sünde verharrt. Aber nicht zufrieden mit der Sünde, in die sie gefallen ist, während sie täglich in Schlimmeres sinkt, kann sie gleichsam keinen Grund im Brunnen finden, an dem sie sich festmachen könnte. Da aber jede Art von Versuchung zunimmt, werden sowohl die wirklich Bösen als auch die scheinbar Guten schlechter, bis sie schließlich zur ewigen Strafe gelangen. Daher folgt: Gegen den der Strom heftig anschlug. Unter der Gewalt des Stromes kann die Prüfung des letzten Gerichts verstanden werden, wenn beide Häuser vollendet sind, die Bösen in die ewige Strafe gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben (Mt 25,46).