
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
43 Denn kein guter Baum bringt schlechte Frucht und kein schlechter Baum bringt gute Frucht. 44 Ein jeder Baum wird nämlich an seiner Frucht erkannt; von Disteln sammelt man ja keine Feigen und vom Dornstrauch liest man keine Trauben. 45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens Gutes hervor und der böse Mensch bringt aus dem bösen (Schatz) Böses hervor. Denn wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.
Auf den Dornen dieser Welt kann die Feige nicht gefunden werden, die, da sie in ihrer zweiten Frucht besser ist, gut als Gleichnis der Auferstehung geeignet ist. Entweder weil, wie du liest: Die Feigenbäume haben ihre grünen Feigen hervorgebracht (Hld 2,13), das heißt, die unreife und wertlose Frucht kam zuerst in der Synagoge. Oder weil unser Leben im Fleisch unvollkommen ist, vollkommen in der Auferstehung, und deshalb sollen wir weltliche Sorgen weit von uns werfen, die den Geist verzehren und die Seele versengen, damit wir durch sorgfältige Pflege die vollkommenen Früchte erlangen. Dies bezieht sich also auf die Welt und die Auferstehung, das Folgende auf die Seele und den Leib, wie es folgt: Noch sammelt man von einem Brombeerstrauch Trauben. Entweder weil niemand, der in Sünde lebt, Frucht für seine Seele erlangt, die wie die Traube, die der Erde am nächsten ist, verfault, an den höheren Zweigen reif wird. Oder weil niemand den Verurteilungen des Fleisches entgehen kann, außer dem, den Christus erlöst hat, der wie eine Traube am Baum hing.