
Cyrill von Alexandrien
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
39 Er brachte auch einen Vergleich: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? 40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; ist er ganz vollendet, so wird er wie sein Meister sein. 41 Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht siehst? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge. Dann magst du sehen, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders wegnimmst.
Der Herr fügte dem Vorhergehenden ein sehr notwendiges Gleichnis hinzu, wie gesagt wird: Und er sprach ein Gleichnis zu ihnen, denn seine Jünger waren die zukünftigen Lehrer der Welt, und daher ziemte es ihnen, den Weg eines tugendhaften Lebens zu kennen, da ihr Verstand gleichsam durch göttlichen Glanz erleuchtet war, damit sie nicht blinde Führer der Blinden seien. Und dann fügt er hinzu: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Wenn aber jemand zufällig zu einem gleichen Grad der Tugend wie seine Lehrer gelangt, soll er im Maß seiner Lehrer stehen und ihren Spuren folgen. Daher folgt: Der Jünger ist nicht über seinem Meister. Daher sagt auch Paulus: Seid auch meine Nachfolger, wie ich Christi Nachfolger bin (1 Kor. 1:11.). Da Christus also nicht richtete, warum richtest du? Denn er kam nicht, die Welt zu richten, sondern Barmherzigkeit zu erweisen.