
Basilius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
32 Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr da? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. 33 Wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank habt ihr da? Denn auch die Sünder tun das. 34 Wenn ihr denen leiht, von denen ihr es zurückzuerhalten hofft, welchen Dank habt ihr da? Denn auch Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzuerhalten. 35 Vielmehr liebt euere Feinde, tut Gutes und leiht, ohne etwas zurückzuerwarten. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. 36 Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!
(Hom. in Ps. 14.) Nun wird diese Art der Habgier im Griechischen zu Recht τόκος genannt, von „hervorbringen“, wegen der Fruchtbarkeit des Übels. Tiere wachsen mit der Zeit heran und bringen hervor, aber die Zinsen beginnen, sobald sie geboren sind, hervorzubringen. Tiere, die am schnellsten gebären, hören am ehesten auf zu zeugen, aber das Geld der Habgierigen wächst mit der Zeit weiter. Tiere, wenn sie ihr Gebären auf ihre eigenen Jungen übertragen, hören selbst auf zu zeugen, aber das Geld der Habsüchtigen bringt sowohl einen Zuwachs hervor als auch erneuert das Kapital. Berühre also nicht das verderbliche Ungeheuer. Denn was nützt es, dass die Armut von heute entgangen ist, wenn sie uns wiederholt überfällt und vermehrt wird? Bedenke also, wie du dich wiederherstellen kannst? Woher soll dein Geld so vermehrt werden, dass es teils deine Not lindert, teils dein Kapital erneuert und außerdem Zinsen hervorbringt? Aber du sagst: Wie soll ich meinen Lebensunterhalt verdienen? Ich antworte: Arbeite, diene, zuletzt bettle; alles ist erträglicher als das Borgen auf Zinsen. Aber du sagst: Was ist das für ein Leihen, bei dem keine Hoffnung auf Rückzahlung besteht? Bedenke die Vortrefflichkeit der Worte, und du wirst die Barmherzigkeit des Urhebers bewundern. Wenn du einem Armen aus Rücksicht auf göttliche Liebe geben willst, ist es sowohl ein Leihen als auch ein Geschenk; ein Geschenk zwar, weil keine Gegenleistung erhofft wird; ein Leihen, wegen der Wohltätigkeit Gottes, der es seinerseits zurückerstattet. Daher folgt: Und euer Lohn wird groß sein. Willst du nicht, dass der Allmächtige verpflichtet ist, es dir zurückzuerstatten? Oder wenn er einen reichen Bürger als deinen Bürgen stellt, nimmst du ihn an, aber lehnst Gott ab, der für den Armen bürgt?