
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
32 Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank habt ihr da? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. 33 Wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank habt ihr da? Denn auch die Sünder tun das. 34 Wenn ihr denen leiht, von denen ihr es zurückzuerhalten hofft, welchen Dank habt ihr da? Denn auch Sünder leihen Sündern, um das Gleiche zurückzuerhalten. 35 Vielmehr liebt euere Feinde, tut Gutes und leiht, ohne etwas zurückzuerwarten. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. 36 Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist!
Nun scheint die Philosophie die Gerechtigkeit in drei Teile zu teilen: einen gegenüber Gott, der Frömmigkeit genannt wird; einen gegenüber unseren Eltern oder den übrigen Menschen; einen dritten gegenüber den Toten, damit die gebührenden Riten vollzogen werden. Aber der Herr Jesus, der über das Orakel des Gesetzes und die Höhen der Prophezeiung hinausgeht, erstreckte die Pflichten der Frömmigkeit auch auf die, die uns verletzt haben, und fügte hinzu: Aber liebt eure Feinde.