
Basilius der Große
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
24 Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt eueren Trost empfangen. 25 Weh euch, ihr Satten; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. 26 Weh, wenn euch alle Leute schmeicheln; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
(Reg. fus. tract. 16–19.) Nun ist es klar, dass die Regel der Enthaltsamkeit notwendig ist, weil der Apostel sie unter den Früchten des Geistes erwähnt. (Gal. 5,23.) Denn die Unterwerfung des Leibes wird durch nichts so sehr erreicht wie durch Enthaltsamkeit, wodurch wir, gleichsam wie mit einem Zaum, die Glut der Jugend im Zaum halten sollen. Die Enthaltsamkeit ist also die Tötung der Sünde, die Ausrottung der Leidenschaften, der Anfang des geistlichen Lebens, die in sich selbst den Stachel der Versuchungen abstumpft. Damit aber keine Übereinstimmung mit den Feinden Gottes bestehe, müssen wir alles je nach den Umständen annehmen, um zu zeigen, dass den Reinen alles rein ist (Tit. 1,15), indem wir zwar zu den notwendigen Dingen des Lebens greifen, uns aber gänzlich von denen enthalten, die dem Vergnügen dienen. Da es aber nicht möglich ist, dass alle dieselben Zeiten, dieselbe Weise oder dasselbe Maß einhalten, so sei doch ein Vorsatz: niemals darauf zu warten, satt zu werden; denn die Fülle des Magens macht den Leib selbst auch untauglich für seine eigentlichen Funktionen, schläfrig und zu Schädlichem geneigt.