
Ambrosius von Mailand
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
24 Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt eueren Trost empfangen. 25 Weh euch, ihr Satten; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. 26 Weh, wenn euch alle Leute schmeicheln; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
Doch obwohl im Überfluss des Reichtums viele Verführungen zum Verbrechen liegen, gibt es auch viele Anreize zur Tugend. Obwohl die Tugend keine Unterstützung braucht und die Gabe des Armen lobenswerter ist als die Freigebigkeit des Reichen, werden dennoch nicht die, welche Reichtümer besitzen, sondern die, welche sie nicht zu gebrauchen wissen, durch das Urteil des himmlischen Spruchs verurteilt. Denn wie jener Arme lobenswerter ist, der ohne Murren gibt, so ist der Reiche schuldiger, der für das Empfangene Dank sagen und nicht ohne Nutzen die Summe verbergen sollte, die ihm zum allgemeinen Wohl gegeben wurde. Es ist also nicht das Geld, sondern das Herz des Besitzers, das schuld ist. Und obwohl es keine schwerere Strafe gibt, als mit ängstlicher Furcht zu bewahren, was zum Nutzen der Nachfolger dienen soll, so haben doch, da die habgierigen Begierden durch eine gewisse Lust des Anhäufens genährt werden, die, welche ihren Trost im gegenwärtigen Leben hatten, einen ewigen Lohn verloren. Wir können hier jedoch unter dem Reichen das jüdische Volk verstehen, oder die Häretiker, oder wenigstens die Pharisäer, die sich an einem Überfluss an Worten und einer Art ererbten Stolzes der Beredsamkeit erfreuten, die Einfachheit des wahren Glaubens überschritten und sich nutzlose Schätze erwarben.